PLANET MIDDLESEX 2111: Future is intersexual

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PLANET MIDDLESEX 2111: Future is intersexual
2019, Intermediale Science-Fiction Video- und Sound-Installation
(Kopfhörer, Hängevorrichtung, Flatscreens, Ständer, Klebefolie)

Publikation: http://www.stefanmildenberger.de/?page_id=8648

Kann Mainstream-Kultur nicht heteronormativ gedacht werden? Eine fiktive nahe Zukunft im Jahr 2111 bildet die Grundlage für eine Vision, in der Gender und biologisches Geschlecht aufgehoben sind.
Biologische Evolution als Bild geistiger Evolution. Was, wenn die biologische Evolution mit Diskurs-Entwicklungen Schritt hält? Wenn geistige Fortschritte in einigen Gesellschaften sich nach biologischem Muster verbreiteten?
Wie wirken heutige mediale Bilder von Geschlechteridentität und die romantischen Rollenbilder unserer dominanten Erzählungen, wenn sie aus dem Blickwinkel einer intersexuellen Mehrheitsgesellschaft gesehen werden?

 

SINDERELL NEWS
2019, Sound-Piece, 104 Minuten,

Performer:

Simon Schultz: Deutsch
Barakat I.: Arabisch
H.P.: Schwedisch
Martin Lindemann: Russisch
Joey Friedrich: Portugiesisch
Lisa Jackson: Englisch
Paolo Mesén: Spanisch
KarMan: Italienisch
Wonek Lee: Koreanisch
Arvild J. Baud: Schweitzerdeutsch
Binbin Zhang: Mandarin / Übersetzung: Xinyi Li
Myriam Eyrolles: Französisch
Stefan Mildenberger: Gesang

Sommer 2111: NachrichtensprecherInnen aus aller Welt berichten von sprunghafter Evolution.
Nur noch 20% der Neugeborenen werden mit weiblichem Geschlecht (Cis-Frau), nur noch 10% aller Neugeborenen mit männlichem Geschlecht (Cis-Mann) geboren. Die große Mehrheit kommen intersexuell zur Welt. Sie können sich offensichtlich selbst befruchten. Cis-Männer und Cis-Frauen werden für die Fortpflanzung irrelevant. Intersexuelle Identität wird vererbt. Nur wenn eine Cis-Person involviert ist, kann ein Cis-Baby geboren werden.
Zur selben Zeit fördert eine dreimonatige Lehrgrabung des Seminars für Vor- und Frühgeschichte der Herm-Universität Frankfurt in der Nähe eines ehemaligen Film-Archivs in Potsdam einen USB-Stick mit stark zerstörtem Filmmaterial zu Tage. Die Bilder scheinen von romantischer Beziehung zu erzählen. Sie wirken befremdlich. Wann werden vertraute Bilder zu Bildern einer vergangenen Zeit?

 

PLANET MIDDLESEX
2018, Split-Screen Video-Installation: 104 Minuten, HD, Farbe, 16:9, Stereo,

Scan-Performance / sequentielle Scan-Bilder von mobilem Handscanner des Films Cinderella (Disney, 2015, Regie: Kenneth Branagh)

Das erste Video der Split-Screen Video-Installation PLANET MIDDLESEX arbeitet mit den sequentiellen Bildern, die mit einem mobilen Handscanner vom Disney-Film Cinderella von Kenneth Branagh (2015) während der vollständigen Laufzeit gemacht wurden. Die entstehende zeitliche Verzögerung zwischen den einzelnen Bildern entspricht der Verzögerung aus der manuellen Verfolgung des Geschehens bei der visuellen Rezeption des Gangs der Erzählung.
Die 378 Einzelbilder der Scan-Performance werden nacheinander im erstenVideo von PLANET MIDDLESEX von rechts nach links laufend animiert. Das Video hat die gleiche Länge wie der eingescannte Film.
Das zweite Video zeigt die zugehörige Scan-Performance. Während der Film Cinderella auf einem Flatscreen lief, wurde die Bildfläche unter einer Glasplatte mit einem Hand-Scanner abgescannt. Der Scan-Vorgang wurde während der gesamten Laufzeit von 104 Minuten ununterbrochen wiederholt.
Der Original-Sound des Filmes Cinderella wurde mit einem Audio-Programm zerstückelt und wird zusammen mit Tonaufnahmen von 13 Texten, gesprochen von 12 SprecherInnen in 12 verschiedenen Sprachen, zum Ausgangsmaterial eines hörspielartigen Sound-Piece – SINDERELL NEWS.
Diese Sound-Arbeit entwirft eine Reflexion über die Veränderungen einer Welt, in der geschlechtliche Identität ihre Bedeutung verliert, inspiriert u.a. vom Gedanken des binären Geschlechtersystems als universaler Menschenrechtsverletzung, wie ihn Mitte der 2000er Jahre u.a. die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst Berlin formulierte (1-0-1 intersex. Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung, nGbK Berlin 2005).
In 13 Blöcken berichten jeweils 12 SprecherInnen in unterschiedlichen Sprachen von den Entwicklungen einer steigenden intersexuellen Geburtenrate rund um den Globus und ihren Auswirkungen. Zwischen der universell symbolischen 12 und der 13 vollzieht sich eine Verschiebung um eine binäre Stelle, wird das Nicht-Deckungsgleiche langsam Norm, bis es nicht mehr als Unterschied wahrnehmbar ist.

 

JALOUSIE
2015-2019, Collage, Diptychon, Digitaler C-Print, je 100×70 cm,
JALOUSIE #50 (Joe Dallessandro & Uschi Obermaier), JALOUSIE #96 (Tony Ward & Naomi Campbell), JALOUSIE #01 (Mark Wahlberg & Kate Moss), JALOUSIE #95 (Keanu Reeves & Demi Moore), JALOUSIE #102 (Lily James & Richard Madden), JALOUSIE #97 (Cicciolina & Arnhold Schwarzenegger)

Die fortlaufende Collagen-Serie JALOUSIE setzt sich aus dem im Internet gefundenen, reichhaltigen Material der Celebrity-Fotografie zusammen. Egal ob aus Pop, Kunst, Politik, Sport oder Kirche, wurde jeweils eine „weibliche“ und eine „männliche“ Figur, mit ähnlichen historischen und gesellschaftlichen Hintergrunden in übereinstimmenden Posen ausgewählt und beide übereinander collagiert.
Dafür wurde das jeweilige Einzelbild in eine Vielzahl schmaler Querstreifen zerlegt. Die Breite der Querstreifen orientiert sich größenmäßig stets an der Hälfte des Durchmessers der Augen der aufeinander abgestimmten Figuren. Aus der Gesamtheit der Querstreifen der jeweiligen Originalbilder wurden schließlich zwei Collagen kreiert in denen jede Figur zu 50% enthalten ist. Das entstandene Collagen-Paar ist zu 100% verschieden. Die Collagen werden nebeneinander als Diptychon präsentiert.

 

PLANET MIDDLESEX 2111: Future is intersexual
2019, Folienschrift aus einer handschriftlichen Vorlage, 490 x 30 cm

 

 

 

 

 

 

 

© Stefan Mildenberger / VG Bildkunst